«Eulen-Award» 2019

Das Projekt «Anders Wohnen im Alter» der Winkelhalden AG in Oberrieden hat den «Eulen-Award» 2019 gewonnen.

Eulen Award Gewinner 2019
Übergabe des «Eulen-Award 2019»: (v.l.n.r.) Dr. Albert Wettstein («Eulen-Award»-Jury), Priska Schmidlin und Beat Vogt (zwei von sechs Personen, welche 2014 die Winkelhalden AG gegründet haben), Toni Bortoluzzi (Stiftung generationplus)

Ausgehend von Erlebnissen mit Bekannten und Verwandten, die trotz guter finanzieller Situation verbittert und vereinsamt in einer fürs Alter ungeeigneten Wohnsituation gelebt haben, entstand in Oberrieden das Projekt «Anders Wohnen im Alter». Eine Gruppe von Menschen im Alter 50plus wollte dabei folgende Ziele erreichen:

  • Eine Siedlung, die den Bewohnern ermöglicht, ihren letzten Lebensabschnitt mit positiven Gefühlen in altersgerechter Infrastruktur aktiv zu gestalten.
  • Der Hauptfokus soll auf das Gemeinschaftliche gelegt und das Private entsprechend dem im Alter geringeren Raumbedürfnis minimiert werden.
  • Die Bewohner sollen Eigentümerstatus erhalten, ohne den Siedlungszweck durch Partikularinteressen von Stockwerkeigentum zu gefährden.
  • Die Siedlung soll selbstverwaltet sein und Mitwirkung ermöglichen, was sich auch auf die Betriebskosten auswirkt.
  • Das gemeinschaftliche Leben und die damit verbundenen Auseinandersetzungen und Debatten sollen gegen Vereinsamung und Passivität helfen sowie Geist und Denken aktivieren.
  • Dazu soll ein Vertragswerk entwickelt werden, welches das Modell rechtlich und wirtschaftlich absichert.
  • Die Siedlung soll hohe Anforderungen an die Gestaltung erfüllen und mit dem alten Weinbauernhaus mit Scheune ein Ensemble bilden, das sich gegen das Dorf hin offen zeigt und das Dorfbild positiv prägt.

Dazu ist erfolgreich ein umfangreiches Vertragswerk erarbeitet worden bestehend aus Statuten, Aktionärsbindungsvertrag, Sicherungsvereinbarung und Investitionsvereinbarung. Arbeitsgruppen erarbeiteten Nutzungskonzepte für Bistro, Mehr-zweckraum, Lounge, Werkstatt, Garten und Umgebung.

Nach einem Architekturwettbewerb wurde zusammen mit dem Siegerteam ein standardisiertes Elementensystem entwickelt, das für den Innenausbau der Wohnungen den Bewohnern viel Gestaltungsvarianten ermöglicht (Küchen und Nasszellenvarianten, Trennwände mit und ohne Türen, Wahl des Fussbodenbelags und der Wandausführungen).

Das Projekt ist weit fortgeschritten, die Realisierung gesichert. Der Gestaltungsplan ist genehmigt, und am 1. Juli 2019 ist die Baueingabe erfolgt. 85 % der Wohnfläche ist vertraglich abgesichert an 59 Personen vergeben. Die zukünftige Bewohnerschaft finanziert als Aktionäre 35 % der Siedlung, nur Bewohnerinnen und Bewohner sind Aktionäre. Die restlichen 65 % der Kosten sind durch Hypotheken verschiedener Finanzinstitute garantiert.

Für die Lebensqualität der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner ist entscheidend, dass eine umfassende Partizipation bereits in der Planungsphase gelebt worden ist und dies zu einer Gruppenbildung und Identifikation mit dem Siedlungskonzept geführt hat. Dadurch, dass alle anteilsmässig an der ganzen Siedung beteiligt sind, können sie sowohl als Miteigentümer in der Generalversammlung der AG wie auch als Mieter in der Bewohnerversammlung und im Alltag in verschiedenen Arbeitsgruppen mitwirken.

Die Wettbewerbsjury sprach dem Projekt «Anders Wohnen im Alter» den Hauptpreis von 10‘000 Franken zu, weil sie überzeugt ist, dass in dem partizipativ entwickelten Projekt ein vorbildliches Modell für Wohnen im Alter geschaffen wurde. Es verspricht, Einsamkeit im Alter zu verhindern, dies dank einer Beschränkung des individuellen Wohnraums und eines grosszügig zu nutzenden Gemeinschaftsbereichs und einer einzigartigen Kombination von rechtlicher Besitz-Struktur einer AG mit gemeinsamem Wohnen in einer Siedung.

www.winkelhalden.ch